Was für eine Antwort auf die Klatsche! Drei Tage nach der Sensations-Pleite gegen den VfL Gummersbach (26:34) zeigt der THW Kiel in der Handball-European-League ein ganz anderes Gesicht. IRUDEK Bidasoa Irun bekommt die ganze Wucht des deutschen Rekordmeisters zu spüren. Mit viel Tempo, viel Härte und sichtbar Wut im Bauch siegt Kiel mit 27:20 – und macht am Dienstagabend das Viertelfinale klar, weil Flensburg in Montpellier verliert.
Die Ausgangslage ist klar: Die Gruppenersten ziehen direkt ins Viertelfinale ein, die Zweiten und Dritten müssen in die Play-In-Runde. Kiel will den Umweg unbedingt vermeiden.
Dann der Moment, der alles überschattet. 18. Spielminute: Unai Barreto rutscht vor der Kieler Deckung weg. Petter Overby versucht noch, ihn aufzufangen – vergeblich. Barreto knallt hart auf den Boden und bleibt liegen. Plötzlich ist es still in der Wunderino-Arena. Beide Teams reagieren sofort, winken hektisch die Mediziner herbei. Auch der Schiedsrichter zögert nicht und ruft einen Arzt. Der spanische Mannschaftsarzt sprintet aufs Feld, ebenso Kiels Team-Doc Dr. Philip Lübke. Sie kümmern sich um den 17-Jährigen, der sich das linke Bein hält.
Tolle Geste: Kiel-Star hilft verletztem Gegner vom Feld
Lübke und der spanische Arzt tragen Barreto gemeinsam mit Kiel-Profi Abdelhak Mohab vom Feld – eine starke Szene. An der Seitenlinie eilen auch Kiel-Coach Filip Jicha und Kiels spanischer Nationaltorwart Gonzalo Perez de Vargas herbei. Dyn-Kommentator Jarno Pusch sagt: „Hoffen wir das Beste!“
Sportlich läuft es zunächst zäh. Die bisher unbesiegten Kieler tun sich gegen die bislang sieglosen Spanier schwer. Mit „nur“ 11:8 geht es in die Pause. Für Staunen sorgt Inaki Cavero Echepare. Er wirft einen Siebenmeter frech durch die Beine von Torwart-Gigant Andreas Wolff. Ein Tunnel-Tor, das selbst einen wie Wolff ärgern dürfte. Doch Deutschlands Nummer 1 liefert trotzdem ab. Bis zur Halbzeit stehen bereits zwölf (!) Paraden auf seinem Konto.
Bitter für Irun: Nach 40 Minuten haben die Spanier schon 13 technische Fehler – und erst 12 Tore erzielt. Jarno Pusch bringt es auf den Punkt: „Das ist eine Statistik aus der Hölle. So kannst du kein Handballspiel gewinnen! Ein Abend zum Vergessen bislang für die Männer vom Atlantik. In dem Moment schmeißen sie den nächsten Ball weg …“
Die weiteren deutschen Spiele in der European League: Die MT Melsungen verliert mit 30:31 bei IFK Kristianstad (Schweden). Die SG Flensburg-Handewitt kassiert eine 32:35-Niederlage bei Montpellier (Frankreich). Die TSV Hannover-Burgdorf besiegt die Kadetten Schaffhausen (Schweiz) mit 31:27.