1 | 22Wim Wenders, 1945 in Düsseldorf geboren, wächst im Nachkriegsdeutschland auf, geprägt von Verlust und Neubeginn. Diese Sensibilität gegenüber Erinnerung, Leere und dem Unterwegssein prägt später seine Filme, wie “Alice in den Städten” (1974).dpa/UA 2 | 22Er bricht diverse Studien ab und zieht schließlich nach Paris. Hier geht er täglich in die Cinémathèque – das Kino wird für ihn wichtiger als jede akademische Laufbahn. Wenders studiert Regie an der HFF München (1967-1970), dreht erste Kurzfilme und findet Anschluss an den Neuen Deutschen Film. Schon hier zeigt sich sein Interesse an Roadmovies.dpa/Reimer 3 | 22Im Jahr 1971 gründet Wim Wenders mit zwölf andere Regisseuren (darunter Hans W. Geissendörfer, später auch R.W. Fassbinder) den Filmverlag der Autoren. Ein Jahr später erscheint “Die Angst des Tormanns beim Elfmeter” mit Arthur Brauss und Erika Pluhar nach dem Roman von Wenders’ Freund Peter Handke.dpa/Courtesy Everett 4 | 221974 – Durchbruch mit “Alice in den Städten”: Das poetische Roadmovie macht Wenders international bekannt. Das Unterwegssein wird zum Sinnbild einer ganzen Generation – ein Meilenstein des Neuen Deutschen Films. dpa/COLLECTION CHRISTOPHEL 5 | 221975 – “Falsche Bewegung”: Lose inspiriert von Goethes “Wilhelm Meister”, erzählt der Film von innerer und äußerer Orientierungslosigkeit. Wenders etabliert sich als Chronist einer suchenden Generation im Nachkriegsdeutschland.dpa/Albatros 6 | 221976 – “Im Lauf der Zeit”: Der Abschluss der Roadmovie-Trilogie zeigt zwei Männer auf einer ziellosen Reise entlang der deutsch-deutschen Grenze. In ruhigen Bildern reflektiert Wenders über Freundschaft, Männlichkeit und das Ende alter Gewissheiten.WDR / Ronald Grant Archive 7 | 22Mit seinem Krimi “Der amerikanische Freund” aus dem Jahr 1977 wird auch Hollywood auf ihn aufmerksam. Der Thriller nach einem Roman von Patricia Highsmith spielt zwischen Hamburg, Paris und New York. Er handelt von einer tödlichen Freundschaft zwischen zwei höchst ungleichen Männern, gespielt von Bruno Ganz und Dennis Hopper.dpa/United Archives/kpa Publicity 8 | 22Die Zusammenarbeit mit Schriftsteller Peter Handke (Mitte) prägt mehrere Filme. Handkes Sprache und Wenders’ Bilder ergänzen sich zu einer neuen filmischen Poesie, die Denken, Sehen und Erzählen miteinander verbindet.dpa/Richter 9 | 221982 – “Der Stand der Dinge” Film thematisiert eine gescheiterte Filmproduktion und reflektiert Wenders’ eigene Zweifel am Filmemachen und am Studiosystem Hollywood. Er gewinnt den Goldenen Löwen in Venedig.Courtesy Everett 10 | 221984 bringt “Paris, Texas” den weltweiten Durchbruch. Der Film über Verlust und Erlösung gewinnt die Goldene Palme in Cannes und markiert einen persönlichen und künstlerischen Neuanfang.dpa/UA 11 | 22In “Tokyo-Ga” (1985) dokumentiert Wenders seine Reise nach Japan auf den Spuren des von ihm verehrten Regisseurs Yasujiro Ozu.dpa/kpa 12 | 221987 kommt der spätere Klassiker “Der Himmel über Berlin” in die Kinos. Kurz vor dem Fall der Mauer wird der poetische Blick der Engel auf die geteilte Metropole zur Liebeserklärung an die Stadt.dpa/Filmverlag der Autoren 13 | 22Wenders arbeitet zunehmend international und pendelt zwischen Kontinenten. “Bis ans Ende der Welt” (1991), ein deutsch-französisch-australisches Filmdrama, zeigt Wenders’ wachsende Sorge um den Einfluss von Medien auf menschliche Wahrnehmung.dpa/Impress 14 | 22In den 1990er Jahren wendet er sich verstärkt dem Dokumentarfilm zu. Musik, Kunst und Alltagskultur rücken in den Fokus. “Buena Vista Social Club” (1991) über kubanische Musiker wird ein Welterfolg. dpa/UA 15 | 22Parallel zum Film etabliert sich Wenders als Fotograf. Seine großformatigen Landschaftsbilder werden international ausgestellt und spiegeln seine filmischen Themen: Leere, Weite, Zeit und Erinnerung.dpa/Vennenbernd 16 | 22Die Idee für den Thriller “The Million Dollar Hotel” aus dem Jahr 2000 kommt von U2-Sänger Bono. Der Film mit Mila Jovovich und Mel Gibson gewinnt den Silbernen Bären auf der Berlinale 2000.dpa/UA 17 | 22Mit der 3D-Doku “Pina” (2011) über die Choreografin Pina Bausch und ihr Wuppertaler Tanztheater wagt Wenders formal Neues. Der Film zeigt seine Bereitschaft, sich immer wieder zu verändern.dpa/D.Wenders 18 | 22Wim Wenders ist mit der Fotografin Donata Wenders verheiratet. Sie begleitet viele seiner Projekte fotografisch und kuratorisch. Die enge persönliche und künstlerische Zusammenarbeit prägt sein spätes Werk.dpa/Christoph Soeder 19 | 222015 porträtiert Wenders gemeinsam mit Juliano Ribeiro Salgado dessen Vater, den Fotografen Sebastião Salgado. “Das Salz der Erde” reflektiert Verantwortung, Schönheit und Leid der Welt – ein humanistisches Statement seines Schaffens.dpa/Wenders 20 | 222018 dreht Wim Wenders einen sehr persönlichen Dokumentarfilm über das damalige Oberhaupt der katholischen Kirche, “Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes”. Der Papst sei “einfach unglaublich menschlich” sagte Wenders damals.dpa/Vatican News 21 | 222023/24 – “Perfect Days”: Der gefeierte Film über einen Mann, der in Tokio öffentliche Toiletten putzt, erzählt von Einfachheit und innerem Frieden. Wenders blickt versöhnlich auf das Leben – weniger suchend, mehr akzeptierend. Ein stiller Höhepunkt seines späten Werks.dpa/ABACA 22 | 222026 übernimmt Wenders den Vorsitz der Internationalen Jury der 76. Berlinale. “Seit sechs Jahrzehnten bereichert er die Filmwelt mit Werken, die uns durch ihre Menschlichkeit und ihren Sinn für das Wunderbare berühren und begeistern”, würdigte ihn Berlinale-Chefin Tricia Tuttle. Die Jury entscheidet am 21. Februar über die Gewinner des Goldenen und der Silbernen Bären.