Berlin – [–>Zwischen Trump und Putin: Welchen Kurs steuert die AfD in der Außenpolitik? Sie sucht immer wieder den Draht zu US-Präsident Donald Trump (79), der unsere Wirtschaft mit Zöllen belastet und Europa mit seinem Anspruch auf Grönland verstört. Dazu kommt die Nähe zu Russland, das einen mörderischen Angriffskrieg führt. Wie erklärt sich AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla (50) zu den vielen Widersprüchen?
Bei „Caren Miosga“ (ARD) am Sonntagabend geriet Tino Chrupalla über weite Strecken in die Defensive. Abweichend vom Titel der Sendung: „Ist Trump ein Vorbild für Deutschland, Herr Chrupalla?“ ging es auf einmal ganz besonders beim Thema Russland zur Sache.
„Deutschland aktuell nicht von Russland bedroht“
„Das ist das Narrativ des Kreml“, warf Caren Miosga (56) dem AfD-Chef nach gut 20 Minuten vor. Was war passiert? Tino Chrupalla hatte gesagt, er sehe „aktuell nicht, dass Deutschland von Russland bedroht wird“. Man sollte schleunigst dazu kommen, Russland wieder als Teil Europas zu betrachten, mit Russland ins Gespräch zu kommen, „damit diese Eskalation beendet wird“.
Caren Miosga warf dem AfD-Chef vor, das Narrativ des Kremls zu übernehmen
Eingespielte Zitate von Kreml-Despot Wladimir Putin (73), in denen er mit dem Einsatz russischer Atomwaffen drohte, wischte er zur Seite: „Was hätte Putin davon, Europa atomar zu vernichten? Es gäbe kein Europa mehr.“ Dann kam der AfD-Politiker zum Narrativ der rechtspopulistischen Partei: Die Ursachen für den Ukraine-Krieg hätten gar nicht mit dem Einmarsch der Russen begonnen – den er verurteile –, sie hätten auch mit der Nato-Osterweiterung zu tun. Caren Miosga fassungslos: „Was Sie uns hier erzählen, ist reine Kreml-Propaganda.“
Streit um Mercosur-Abkommen
Auch bei Trumps Zollpolitik und dem Mercosur-Freihandelsabkommen, über das 25 Jahre verhandelt wurde, geriet der AfD-Chef in die Defensive. Er sei für Freihandel, das Abkommen müsse aber gerade im Sinne der Landwirte nachverhandelt werden, forderte Chrupalla in der späteren Talk-Runde mit der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm (54) und Michael Bröcker (48), Chefredakteur von Table.Briefings. „Über Mercosur wurde 25 Jahre verhandelt“, wies Ökonomin Grimm sein Argument zurück. Man könne sich freuen, dass das Abkommen abgeschlossen wurde. Für die Landwirte bestünden große Nachteile, ereiferte sich der AfD-Chef wieder – und kassierte Spott von Journalist Michael Bröcker: „Dass Herr Chrupalla sich fürs Tierwohl einsetzt, ist zumindest schon mal etwas Neues für mich. Das finde ich wunderbar.“ Im Mercosur-Abkommen sei sogar ein Schutzabkommen für die europäische Landwirtschaft drin. Freihandel sei immer für beide Seiten sinnvoll. Grimm sagte voraus, dass der Wohlstand auf beiden Seiten wachsen würde.
Michael Bröcker (48), Chefredakteur von Table.Briefings, wunderte sich über die Aussagen des AfD-Chefs
Zurückrudern bei den Trump-Zöllen
Und was hält die AfD, die Donald Trump bewundert, von dessen Zollpolitik? Da distanzierte sich Tino Chrupalla dann doch recht klar von der aktuellen US-Politik. Er habe diese Zollpolitik nie gelobt, er habe nur gesagt, sie sei im Interesse Amerikas. Verständlich seien die Zölle aus Sicht Donald Trumps. Manchmal müsse man eben Freihandel einschränken, wie etwa beim Mercosur-Abkommen, „wenn wir unsere Landwirte schützen wollen“. Insgesamt sei Freihandel ohne Zölle für eine Industrienation das Beste, was es gibt – es dürfe aber nicht nur einen Gewinner geben.
Ein Satz, den man in den USA Donald Trumps ausgerechnet von der AfD sicher nicht gerne hören wird.