CDU-Parteitag in Stuttgart: Söder hielt die Rede, die Merz nicht wollte | Politics

TTS-Player überspringenArtikel Vitalesen

Stuttgart – [–>Nachdem sich die Antragsdebatten beim Parteitag gezogen hatten wie ein CDU-Kaugummi, enterte er unter rhythmischem Klatschen den Stuttgarter Messe-Saal: CSU-Chef Markus Söder (59, ohne Krawatte) kam mit Kanzler Friedrich Merz (70, mit Krawatte). Der Bayer säuselte in Richtung des Regierungschefs: „Du kannst dich auf uns verlassen. Wir unterstützen dich als Kanzler auch gerne länger, wenn du willst“ – eine Anspielung auf die Verkündigung von Merz an Aschermittwoch, er wolle das Amt noch einige Zeit ausfüllen.

Lob verteilte Söder für die Rede des Kanzlers am Vortag, die die politische Lage „gut beschrieben“ habe – wohlwissend, dass die Rede von Merz unter CDU-Delegierten eher in der Abteilung „durchwachsen“ einsortiert wurde. Merz sei „unser Trumpf bei Trump“ – auch da: Jubel in der Halle! Und noch mehr Begeisterung, als Söder die gemeinsame Abstimmung von Grünen und AfD im Europaparlament gegen das Freihandelsabkommen Mercosur geißelte. Die Grünen hätten „keinen moralischen Anspruch, uns zu belehren“.

Doch mit Blick auf die politische Konkurrenz hielt Söder die Rede, die Merz (aus Rücksicht auf die SPD?) irgendwie nicht zu halten vermochte.

Im Land muss sich etwas ändern: Söder: „Warum gibt es denn immer noch die AfD“

Quelle: Phoenix

Merz wird gerne Altbackenheit vorgeworfen, doch Söder drehte den Spieß kurzerhand für ihn um. Die Linken seien diejenigen, die der Zeit hinterherhinkten. „Solche Klugscheißer helfen unserem Land nicht.“ Einen kleinen Hieb verteilt Söder an seinen Innenminister Alexander Dobrindt, den Merz gestern noch über den grünen Klee gelobt hatte. Dobrindt kokettiert damit, die Handynummern von führenden Linken-Politikern zu haben. Söder sagt, es sei ihm „egal“, wer „da Nummern hat“. Die Linke komme als Koalitionspartner nicht infrage, „ein Zurück zum Sozialismus darf es nicht geben“.

Das Thema Migration hatte Merz am Vortag noch ausgespart – von Söder kam Klartext. Er verteidigte auch die Kanzler-Kritik am umstrittenen „Stadtbild“. Die sei berechtigt gewesen, auch wenn „Gesprächspsychologen“ danach Krisensitzungen abgehalten hätten. Als Söder das sagte, klatschte Kanzlergattin Charlotte Merz in der ersten Reihe.

Söder, der Ausputzer für Merz

„Wer hat die Wahl gewonnen, die Union oder die SPD?“, rief er dann noch in den Saal. Wenn Merz so was rufen würde, wären die Genossen auf 180. Söder macht’s einfach. BILD-Diagnose: geschickte Arbeitsteilung zwischen den beiden!

Merz schenkt Söder eine StarTrek-Jacke

Foto: Revierfoto

Auch beim SPD-Lieblingsthema, den Steuererhöhungen, brachte Söder den Klartext, den sich der Kanzler in seiner Rede am Freitag verkniff. „Ich bin nicht bereit, den Linken klein beizugeben, beim Versuch, die Erbschaftssteuer zu erhöhen. Da werden sie sich an uns die Zähne ausbeißen.“ Der Saal jubelte entzückt. Söder steckte damit den Rahmen ab, in dem die Union der SPD hier aus seiner Sicht maximal entgegenkommen kann – gar nicht!

Auch im Zoff um das Aus vom Verbrenner-Verbot übernahm Söder die Lautsprecher-Funktion, wendete sich gegen „Micky-Maus“-Tricks aus Brüssel. Er wolle, dass alle Hightech-Verbrenner weiter zugelassen werden, nicht nur ein kleiner Teil. Damit legt er sich mit der verantwortlichen Kommissionschefin Ursula von der Leyen an. Pikanterweise ein Mitglied der CDU. Merz dürfte mit Genugtuung zugehört haben.

Söder endete wie an Aschermittwoch in Passau (etliche Passagen seiner heutigen Rede waren recycelt) mit einem Hoch auf Gott, Freiheit, Vaterland und die Union. Was bei Merz etwas komisch rübergekommen wäre, führte bei Söder genau ins Ziel: Herzen der Delegierten ansprechen, Patriotismus demonstrieren, Zuversicht verbreiten – und der Union das Gefühl einer heimeligen Volkspartei geben. Merz beschenkte Söder dafür mit einer StarTrek-Jacke. „Möge die Macht mit Dir sein“, bedankte sich der Bayer.

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