Berlin – [–>Drei Schauspielerinnen, ein millionenschwerer Kinofilm und großes Drama vor und hinter den Kulissen. Weil sich die Darstellerin Sarah Maria Sander (30) in einem Video für Israel stark gemacht hatte, soll sie aus der Produktion des Films „Die Todessehnsucht der Maria Ohm“ geflogen sein.
Die Dreharbeiten sind fast abgeschlossen, doch ob das Drama überhaupt in die Kinos kommt, ist offen. Der Mega-Zoff zwischen deutschen Kino-Stars landete vor Gericht: Das Berliner Landgericht II für Zivilsachen untersagte der Produktionsfirma Soilfilms Media einstweilig, Teile einer Rolle weiter zu verfilmen oder zu veröffentlichen.
YouTube-Video löste Streit aus
Laut Sander war ihr per Vertrag zugesichert worden, dass sie eine Hauptrolle bekommt. Die Schauspielerin, die auch als Journalistin arbeitet: „Der Film basiert größtenteils auf meinem autobiografischen Stoff, ich habe das Drehbuch mitgeschrieben und sollte in der Rolle der Maria Ohm ein zentraler Teil des Projekts sein. Die Zusicherung war Geschäftsgrundlage.“
Reaktion auf Gaza-Brief an Kanzler: Diese Frau rechnet mit der deutschen Kulturszene ab
Ihr sei zum Verhängnis geworden, dass sie im August 2025 auf den offenen Brief von 200 Filmschaffenden an Kanzler Friedrich Merz reagiert habe, die einen Waffenlieferungsstopp an Israel gefordert hatten. Sander warf den Künstlern in einem YouTube-Video Heuchelei vor, „weil es gerade im Trend ist, gegen Israel zu sein“. Wörtlich sagte sie: „Eure politische Haltung, euer Aktivismus ist nichts, es ist eine Show. Es ist Gratismut ohne Risiko, ohne Haltung.“
Formulierten Schauspieler eine Ablehnung?
Einen Monat später habe ihr Co-Autor Rainer Begoihn (37, ebenfalls Hauptdarsteller) in einem Telefongespräch erklärt, ihr Engagement schade dem Projekt. Festivals könnten den Film mit ihr nicht annehmen.
Abschluss der Dreharbeiten im Landestheater von Coburg. Vivien König, die die Rolle der „Maria Ohm“ spielt, Regisseurin Silvana Santamaria, Neubesetzung Julia Jentsch, Can Aydin (dritter Bürgermeister von Coburg) und Co-Autor Rainer Begoihn (v.l.)
Am 1. Dezember 2025 schrieb ihr Regisseurin Silvana Santamaria (47, „Die Bergretter“) in einer E-Mail: „Liebe Sarah, (…) mehrere Schauspieler*innen und Agenturen haben uns gegenüber klar formuliert, dass sie eine Zusammenarbeit ablehnen. Dies wurde unter anderem mit öffentlichen Äußerungen begründet, die ihnen bekannt geworden sind (…) Diese Rückmeldungen und deine eingeschränkte Verfügbarkeit im Januar haben zu der Entscheidung geführt, dass eine Umsetzung des Projekts mit dir als Hauptdarstellerin in der aktuellen Konstellation nicht möglich ist.“
Vorwurf: „Aktivistin oder Schauspielerin?“
Nach Sanders Darstellung sei ihr aus dem Produktionsumfeld nahegelegt worden, unter anderem Namen aufzutreten, um ihre politische Identifizierbarkeit zu verschleiern. Zudem sei sie sinngemäß gefragt worden, ob sie „Schauspielerin oder Aktivistin“ sein wolle.
Sarah Maria Sander besucht als Journalistin im Oktober 2025 die nordisraelische Stadt Kiryat Shmona. Die libanesische Terror-Organisation Hisbollah hatte kurz zuvor Raketen auf die Stadt gefeuert
Nachdem sie sich geweigert habe, auf die Hauptrolle zu verzichten, seien Terminprobleme als Begründung genannt worden, obwohl ein erster Drehplan ihre drei Spieltage am Theater im Januar 2026 berücksichtigt habe. Unter anderem habe es geheißen, sie sei „nur in der Weltgeschichte verschwunden“ und nicht für Proben zu erreichen.
Filmfirma weist Vorwürfe von sich
Die Filmschaffenden von Soilfilms Media weisen alle Anschuldigungen zurück. Über ihren Anwalt ließen sie erklären, die Umbesetzung habe keine politischen Gründe gehabt. Sie sei wegen Besetzungsproblemen, Risiken für Förderung und Festivals sowie Sanders mangelnder Verfügbarkeit erfolgt.
Rechtsanwalt Nathan Gelbart und Klägerin Sarah Maria Sander am Berliner Landgericht für Zivilsachen. Die Schauspielerin wollte über eine einstweilige Verfügung die Einstellung der Dreharbeiten erwirken
Trotz einstweiliger schriftlicher Untersagung durch Sanders Anwalt begannen die Dreharbeiten im Januar. Ihre Hauptrolle übernahm Vivien König (27). Zudem wurde eine neue Figur ins Drehbuch eingeführt – ohne Sanders Zustimmung. Die Schauspielerin Julia Jentsch (47, „Sophie Scholl – Die letzten Tage“) übernahm die Rolle. Im Originaldrehbuch war sie mit einer männlichen Person besetzt gewesen. Daraufhin erklärte Sander die fristlose Kündigung des Drehbuchvertrags und beantragte eine einstweilige Verfügung, um die Dreharbeiten zu stoppen.
Gericht stoppte die Veröffentlichung
Das Gericht untersagte einstweilig die Verfilmung oder Veröffentlichung der neuen Rolle. Durch die Umgestaltung der Nebenrolle sah das Gericht eine Urheberrechtsverletzung und eine Veränderung der Rolle. In der Praxis heißt das: Alle Szenen mit Julia Jentsch müssten neu gedreht werden.
Sarah Maria Sander bei einer Podiumsdiskussion in Berlin
Beim ersten Prozesstag sagte Regisseurin Santamaria, dass das aufgrund der Drehpläne, der Besetzung und der Termine der Crew nicht möglich sei. Die Agentur von Schauspielerin Jentsch wollte sich nicht zu dem Urteil äußern. Martin Helmut Zumpf, Anwalt der Produktionsfirma, zu BILD: „Wir legen Berufung ein. Die Rolle der Gaia ist längst abgedreht. Dadurch verfällt die Dringlichkeit. Wir gehen jetzt vor das Kammergericht.“
Fall geht in die nächste Instanz
Sanders Anwalt Nathan Gelbart sagt, er werde mit ihr ebenfalls Rechtsmittel prüfen: „Für mich ist die politisch motivierte Verletzung der Schauspielerrechte von Sarah Maria Sander durch Soilfilms Media evident und skandalös. Sie reiht sich in die abscheuliche Realität der Diskriminierungen proisraelischer Künstler durch ihre Kollegen ein.“ Die Produktionskosten belaufen sich laut Begoihns Aussage vor Gericht auf 1,7 Millionen Euro. Er selbst habe 1,2 Millionen Euro aus dem elterlichen Erbe in den Film gesteckt.